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Arbeitswelten im Wandel - wie Raumgestaltung Unternehmensziele unterstützt

Raumgeflüster: im Gespräch mit Laura Vogel

17. März 2024

Heute treffen wir Laura Vogel von Dock Architekten, um uns mit ihr über das Thema Raumgestaltung zu unterhalten. Sie ist Expertin auf dem Gebiet der Büro- und Bildungswelten.

Viel Vergnügen beim Lesen!

Foto: Kieler Wirtschaftsförderung

Hallo Laura! Drei Sätze. Wer bist du? Was machst du? Und wo sind wir hier?

Mein Name ist Laura Vogel. Ich bin Partnerin bei Dock Architekten gemeinsam mit Kim Scheltz. Wir sitzen hier am Wall 42. Das ist in Kiel mit Blick aufs Wasser. Unser Büro hat den Schwerpunkt Innenausbau im Bereich Schulbau und Büroausbauten, Gesundheit, Gastronomie, aber auch Sanierung von Wohnhäusern, - viel rund ums Gewerbe, ab und an machen wir auch private Aufträge.

Seit wann würdest du sagen, beschäftigt dich das Thema Raumgestaltung?

Ich bin schon lange Architektin. Seit 2012 mache ich Innenausbauten für Büros. Ich habe angefangen mit Büroräumen und Büroflächen und bin gemeinsam mit DOCK übergegangen zu „Bildungswelten“. Das TransMarTech haben wir beispielsweise gemacht oder Räume für die Uni, für Kitas und Schulen.

Es ist interessant zu beobachten, dass sich die Themenfelder im Bereich Bildungs - und Bürobau immer stärker überschneiden. Sowohl die Bürowelten als auch die Bildungswelten haben sich stark verändert. Letztlich stehen sie auch in Abhängigkeit zueinander.

Würdest du sagen, dass sie sich aufeinander zubewegen?

Idealerweise schon, ob das in der Realität aktuell so ist, kann man in Frage stellen (lacht). Eigentlich ist es so, dass die Arbeitswelt sich durch die Digitalisierung sehr stark verändert hat und die Bildungswelten sich dementsprechend gerade am Verändern sind. Man merkt, dass die Bildungswelten dabei sehr ähnliche räumliche Anforderungen haben. Kommunikationsräume zum Beispiel, wende ich mittlerweile auch im Bildungsbereich an. Es ist nicht mehr so, dass Kinder nur noch Frontalunterricht haben. Sie arbeiten in Gruppen, sie präsentieren.

Welchen Stellenwert würdest du der Raumgestaltung in puncto Produktivität und die Zufriedenheit der Personen, die darin arbeiten zusprechen?

Wenn wir uns über Bürowelten unterhalten, ist es so, dass eine gut geplante Bürolandschaft ein Baustein für ein gut funktionierendes Unternehmen und auch der Zufriedenheit der Mitarbeiter ist. Eine erhöhte Produktivität, bessere Kommunikation, ausgeglichenere Wahrnehmungen der Mitarbeiter können ermöglicht werden.

Dieser Baustein ist jedoch nur ein Teil einer zufriedenen Gruppe an Menschen, die miteinander arbeiten. Ich formuliere das gerne so, weil ich das wichtig finde – wir, Dock Architekten, machen natürlich Bürowelten und die sollen Spaß machen und individuelle Arbeitsformen unterstützen– aber wenn das Team nicht funktioniert, wenn Leute nicht vernünftig bezahlt werden, wenn die Anwendung der Räume seitens der Führungsebenen nicht zugelassen werden, bringt die schönste Bürowelt nichts. Ich bin überzeugt, dass die Raumgestaltung Auswirkungen hat, dass sie hilft und dass man ein Team dadurch anders motivieren kann, wenn man sie richtig lebt.

Es besteht immer die Frage: Was kann man den Arbeitnehmer*innen bieten, sodass sie zumindest ab und an mal ins Büro kommen?

Wenn du dir die Bürowelten vor Augen führst, die ihr zuletzt entwickelt habt, gibt es typische Elemente, die im Sinne einer zeitgemäßen Raumgestaltung eingesetzt werden?

Im Bürobereich gibt es Themen, die sich geändert und im Laufe der Jahre viel stärkeren Einfluss bekommen haben, sei es durch eine digitale Entwicklung oder aber auch durch Corona. Noch vor 15 Jahren war, etwas überspitzt gesagt, ein typischer Büroalltag der klassische „nine to five“ Job. Schon vor Corona hat sich die Situation dahingehend stark gewandelt, dass der (unternehmens-)kulturellen Teil in den Vordergrund gerückt ist. Es entsteht ein Verständnis dafür, dass Kommunikation ein wichtiger Faktor geworden ist, und dass das Miteinander und die soziale Interaktion einen größeren Stellenwert im Büroalltag bekommen haben als die reine Produktivität.

Interessanterweise haben diese Aspekte auch durch Corona nochmals an Stellenwert gewonnen. Plötzlich gab es Homeoffice. All diese Veränderungen, die total positiv sind, aber gleichzeitig für ein Unternehmen auch Herausforderungen mit sich bringen. Es besteht immer die Frage: Was kann man den Arbeitnehmer*innen bieten, sodass sie ins Büro kommen?

Dafür ist es natürlich hilfreich, eine gute Fläche zu haben, wo Events oder Gemeinschaftssport möglich sind, wo nach der Arbeit vielleicht zusammen Bier getrunken werden kann, wo Platz für Mittagessen mit anderen Leuten ist. Es sind diese ganzen weichen Faktoren, die so wichtig sind und die die Räume ermöglichen müssen.

Du hast Kommunikationsflächen als ein Element benannt, welches im Bürokontext wichtiger geworden ist. Kannst du analog auch typische Elemente für das produzierenden Gewerbe benennen?

Ich würde sagen dort ist ist ähnlich. Beispielsweise ein Fabrikgebäude: Die Produktion funktioniert zumindest z. T. noch ähnlich wie früher, außer das mittlerweile viel über Technik und Roboter abgebildet werden kann. Im produzierenden Gewerbe geht es den Menschen häufig während der Arbeit nicht um den „Wohlfühlfaktor“ – Aber was passiert, wenn sie Pause haben? Was passiert, wenn sie Feierabend haben? Was passiert, wenn sie telefonieren oder sich abstimmen wollen?

Es ist hilfreich, wenn die Umgebung atmosphärisch gestaltet ist. Wenn du dich als Teamleiter*innen oder im Team abstimmen willst oder Inhalte entwickeln, Probleme besprichst, die außerhalb der Maschine stattfinden braucht man Räume, welche gut ausgestattet sind und ggf. Ruhe zum Produktionsbereiche vermitteln. Die Abstimmung kann innerhalb einer Produktionshalle stattfinden, aber es ist natürlich viel angenehmer, wenn man nicht mitten in den Geräuschen ist, sondern einen Rückzugsort hat.

Ein weitere Faktor - sowohl im Produktionsbereich, als auch im Bürobereich - welcher immer wichtiger für Firmen wird, ist der Branding Faktor. Eine gut gestaltete Umgebung vermittelt eine starke Identifikation mit dem Unternehmen, sowohl für Kunden, als auch für Mitarbeiter. Gute Leitsysteme ermöglichen ein klares Orientierungsgefühl, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Das Unternehmen vermittelt eine Form von Qualität, die je nachdem, was man für Kundenklientel hat, wichtig ist.

Du hast gerade den Begriff „atmosphärisch“ genannt. Unsere nächste Frage schließt daran an. Gibt es in Hinblick auf das Arbeitsklima, die Innovationsfähigkeit und die Teamdynamik innerhalb eines Unternehmens klassische Gewinnertypen in Sachen Raumgestaltung, bei denen man sagt „ja, das das geht immer“?

Eine Oberfläche macht keine gute Teamfähigkeit. Auch wenn Oberfläche die Atmosphäre in einem Raum entscheiden beeinflussen kann, sind für gute Arbeitsstrukturen eher Ausstattungselemente entscheidend, wie zum Beispiel gute Technik- oder kleine Rückzugsmöglichkeiten, wie Micromeetingräume, Stand-up-Tische oder Sofaecken, wo man sich nochmal anders zusammensetzen und Themen entspannter besprechen kann. Ich würde sagen, dass diese Funktionsweise der unterschiedlichen Möbel mehr macht als die Oberflächen. Obwohl ich immer für natürlich, langlebige, zeitlose und wertige Oberflächen bin (lacht).

Ein viereckiger langer Tisch ist immer eine Barriere, ein runder Tisch ermöglicht ein „Miteinander“. Das sind Kleinigkeiten, aber die sind entscheidend. Wenn es große Flächen gibt und viele unterschiedliche Situationen abgebildet werden können, haben die unterschiedlichen Teams Möglichkeiten sie nach ihren Bedürfnissen zu nutzen. Ein IT-Team arbeitet völlig anders als ein Verwaltungsteam zum Beispiel. Sie haben auch andere Anforderungen. Deswegen gucken wir zuerst, was für ein Unternehmen vor uns steht, weil die Bedarfe sehr abhängig von den Arbeitsstrukturen und der Unternehmenskultur sind. Wie wird was gelebt? Wo möchte das Unternehmen langfristig hin? Wie wollen sie sich räumlich entwickeln, aber auch arbeitstechnisch? Wenn das Ziel der Zukunft klar ist, erarbeiten wir gemeinsam mit dem Team eine individuelle Nutzung.

Ich hake bei dem letzten Punkt nochmal ein. Magst du noch einmal konkretisieren: Wie sieht der Prozess bei euch aus von der Anfrage zur Neu-/Umgestaltung bis zum fertigen Raum?

Wir sind Architekt*innen, damit haben wir klare Vorgaben wie wir arbeiten (sollten). Sprich wir arbeiten in Leistungsphasen nach HOAI (1 bis 9). Wir, bei Dock Architekten, setzen aber immer eine Leistungsphase 0 vor die klassische Architektenleistung, bei der wir gemeinsam mit dem Unternehmen ein bauliches Ziel erarbeite . Wir fragen uns: Was ist das für ein Unternehmen und wie möchte es sich entwickeln? Welche Herausforderungen gibt es? Welche Flächen stehen zu Verfügung?

Es gibt immer zwei Schwerpunkte.

Die Mitarbeiter*innen:Was brauchen die Mitarbeiter, um optimal Arbeiten zu können? Das Unternehmen: Was will dem Mitarbeiter und dem Kunden gegenüber präsentieren? Das sind zwei Punkte, die wir immer mitberücksichtigen, da zum einen die Mitarbeiter*innen im Fokus stehen und zum anderen auch die Kund*innen/ Besucher*innen. Diese Schwerpunkte, erarbeiten wir gemeinsam mit den Teams, bevor wir überhaupt einen ersten Strich zeichnen, damit wir wissen, worauf wir achten müssen.

Gibt es wiederkehrende Herausforderungen?

Es gibt viele Themen, die sich regelmäßig wiederholen. Es hilft einige wiederkehrende Herausforderungen zu kennen. Im Bürobau ist gibt es z.B. die Herausforderung, dass wir oft erst angefragt werden, wenn schon ein Mietvertrag unterschrieben ist. Das ist eine „Ablaufherausforderung“, weil meisten Unternehmen damit rechnen, das sie in drei Monaten einziehen. Leider ist es dann oft nicht der Fall. Wenn man sich der Sache richtig widmet, kann man damit rechnen, für die Fertigstellung einer gemieteten Fläche inkl. Renovierung bis zehn Monate zu brauchen. Idealerweise werden wir gefragt, bevor der Mietvertrag unterschrieben ist. Oft es ist an der Stelle noch möglich Wünsche, Zeiten und Qualitäten mitzuverhandeln, dieser Faktor verbessert das Ergebnis der Räume erheblich.

Wir haben z. B. in Hamburg vor kurzem eine Fläche gestaltet, bei der wir die Suche begleitet haben. Das war super, weil dadurch Teile der Umbaukosten, Oberflächen, Beleuchtung etc. im Mietvertrag verhandelt werden konnten. Dadurch ließen sich für unseren Kund*innen die Kosten viel besser über die Jahre verteilen. Sie hatten nicht so hohe Investitionskosten und wir konnten große Teile unseres Konzeptes in den räumlichen Maßnahmen und den Oberflächenauswahlen mit integrierten.

Häufig ist es so, dass im Mietvertrag ein Standardausbau festgehalten ist. In der Regel handelt es sich dabei um GK, Nadelfilz, Vinyl, Odenwalddecke etc. Vinyl z. B. ist ein Kunststoff. In Kombination mit anderen Standartoberflächen macht dieser keine gute Raumluft. An der Stelle fängt es bereits an schwieriger zu werden. Es kommt sehr schnell diese klassische Kombi aus Trockenbau, Kunststoff und Trockenbauddecke zusammen. Je nach Lüftungssystem ist die Luft in Kombi mit Druckern und Bildschirmen dann ganz schnell verbraucht.

Daher lohnt es sich den Planer frühzeitig mit an Board zu holen.

Wir haben eine letzte Frage von unserer Seite, die keine Frage ist. Die Bitte lautet: Verrate uns drei Orte, die dich begeistern!

Ich gehe bei der Frage mal von Kieler Orten ausgehen, weil die jede*r nachvollziehen kann, bzw. weil man sie hier kennt.

Welchen Ort ich total schön finde ist das Freilichtmuseum Molfsee, es macht echt Spaß dahinzugehen, aus historischer, aber auch aus architektonischer Sicht.

Ich mag vor allem Orte, wo sich viele Leute treffen können. Ich finde es schön, wenn man Orte in der Stadt hat, die Menschen zusammenbringen und das kann alles sein: eine Brauerei, Marktplätze, Kioske, die Kiellinie.

Dann mag ich den Seefischmarkt sehr, der begeistert mich jedes Mal, wenn ich da bin. Es ist ein Ort, der noch total unterschätzt ist, aber er hat eine ganz tolle Atmosphäre und städtebaulich total viel Potenzial.

Vielen Dank für das anregende Gespräch rund um das Thema Raumgestaltung, die spannenden Gedanken und Einblicke in deine Arbeit – wir haben mit großem Interesse gelauscht.

Auf ganz bald! <3

Laura Vogel
Partnerin bei DOCK Architekten in Kiel
www.dock-architekten.de

DOCK Architekten ist ein Architekturbüro. Neben Neubauten, Umbauten, Erweiterungen und Sanierungen hat sich als großer Schwerpunkt der Innenausbau und die Innenraumgestaltung in den Bereichen Neues Arbeiten, Bildung, Retail, Gastronomie und Gesundheit herausgestellt. Nicht selten kommt es vor, dass für ein passendes Projekt auch ein adäquates Corporate Design und Leitsysteme entwickelt werden.

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